Winterstrom sichern heisst auch: weniger Strom verschwenden

Warum sehr effiziente Wärmepumpen schneller zur Versorgungssicherheit beitragen als die nächste Grundsatzdebatte über neue Atomkraftwerke.
Die Schweiz diskutiert wieder über neue Kernkraftwerke. Gleichzeitig bleibt die eigentliche Herausforderung sehr konkret: Im Winter steigt der Strombedarf genau dann, wenn die heimische Solarproduktion schwächer ist und auch die Wärmepumpen besonders viel leisten müssen. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, darf deshalb nicht nur fragen, wo zusätzlicher Strom produziert werden soll. Ebenso wichtig ist die Frage, wie viel davon wir überhaupt benötigen.
1. Die Winterlücke ist real – aber ein neues AKW ist keine kurzfristige Antwort
Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom weist seit Jahren auf die Risiken einer steigenden Importabhängigkeit im Winter hin. Die Versorgung ist aktuell gewährleistet, doch bei Kälteperioden, schwacher Wasserführung, eingeschränkten Importmöglichkeiten oder Ausfällen grosser Kraftwerke kann das System unter Druck geraten.
Vor diesem Hintergrund hat die Politik die Tür für neue Kernkraftwerke wieder geöffnet. Nach aktuellem Stand hat das Parlament der Aufhebung des Neubauverbots zugestimmt; wegen des Referendums wird voraussichtlich 2027 abgestimmt. Man kann Kernenergie grundsätzlich befürworten oder ablehnen. Für die nächsten Winter löst diese Debatte jedoch kein einziges Versorgungsproblem. Bewilligung, Finanzierung, Planung und Bau eines neuen Grosskraftwerks dauern viele Jahre. Die Schweiz braucht Massnahmen, die vorher wirken.
2. Auch Kernkraft ist wetterabhängig: Kühlwasser wird zum Engpass
Der Sommer 2026 zeigt zudem, dass auch Atomkraftwerke nicht unabhängig von Wetter und Wasserverfügbarkeit produzieren. Das Bundesamt für Umwelt meldet Trockenheit und hohe Wassertemperaturen. Bei bereits stark erwärmten Flüssen kann die Einleitung zusätzlichen warmen Kühlwassers eingeschränkt werden, um Fische und andere Wasserorganismen zu schützen.
Besonders sichtbar ist dies beim Kernkraftwerk Beznau, das ohne Kühlturm Wasser aus der Aare entnimmt und erwärmt zurückleitet. Als die Aare Ende Juli 2026 erneut 25 °C erreichte, reduzierte Axpo beide Reaktorblöcke zunächst auf 50 Prozent. Seit dem 31. Juli waren beide Blöcke abgestellt. Laut Axpo blieb die Aaretemperatur auch am 10. August hoch; Block 1 wartete auf ausreichende Abkühlung, während Block 2 zugleich für den geplanten Brennelementwechsel ausser Betrieb blieb.
Dabei geht es nicht um ein akutes nukleares Sicherheitsproblem, sondern um eine betriebliche und gewässerökologische Grenze. Trotzdem ist die energiepolitische Lehre klar: Auch grosse Kernkraftwerke stehen nicht jederzeit mit voller Leistung zur Verfügung. Hitze, Trockenheit und hohe Flusstemperaturen können die Produktion genau dann begrenzen, wenn Klimaanlagen und andere Verbraucher den Strombedarf erhöhen. Eine vernünftige Strategie darf Versorgungssicherheit deshalb nicht mit einer einzigen Erzeugungstechnologie verwechseln.
3. Die übersehene Kraft der Effizienz
Wärmepumpen sind ein zentraler Teil der Energiewende, weil sie Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Wasser nutzbar machen. Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen dadurch mehrere Kilowattstunden Wärme. Aber Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe: Je nach Gerät, Auslegung, Vorlauftemperatur und Installation unterscheiden sich Stromverbrauch und Leistung deutlich.
Gerade an kalten Tagen zählt jedes Effizienzprozent doppelt. Dann ist der Wärmebedarf der Gebäude hoch und Luft/Wasser-Wärmepumpen arbeiten unter anspruchsvollen Bedingungen. Ein sehr effizientes Gerät benötigt für dieselbe Wärmemenge weniger elektrische Leistung. Das senkt nicht nur die Stromrechnung, sondern auch die gleichzeitige Belastung des Netzes - genau zu den Stunden, in denen die Reserve knapp werden kann.
Ein einfaches Rechenbeispiel: Benötigt ein Haus 20'000 kWh Heizwärme pro Jahr, verbraucht ein System mit einer Jahresarbeitszahl von 4 rechnerisch rund 5'000 kWh Strom. Bei einer Jahresarbeitszahl von 5,7 wären es rund 3'510 kWh - etwa 30 Prozent weniger. Das Beispiel ist keine Verbrauchsgarantie: Entscheidend sind Gebäude, Heizflächen, Vorlauftemperatur, Klima, Warmwasser und fachgerechte Auslegung.
4. Der grösste unmittelbare Hebel: elektrische Widerstandsheizungen ersetzen
Besonders gross ist das Potenzial bei rein elektrischen Widerstandsheizungen. Sie verwandeln eine Kilowattstunde Strom ungefähr in eine Kilowattstunde Wärme. Eine Wärmepumpe nutzt denselben Strom zusätzlich, um Umweltwärme ins Gebäude zu transportieren, und stellt daraus ein Mehrfaches an Heizwärme bereit. Der Ersatz einer Widerstandsheizung ist deshalb nicht bloss ein Gerätewechsel, sondern eine massive Effizienzmassnahme.
Der Bundesrat bezifferte den jährlichen Stromverbrauch der elektrischen Widerstandsheizungen in der Schweiz auf rund 2,8 Terawattstunden. Würden sie durch Wärmepumpen ersetzt, könnten nach dieser offiziellen Schätzung rund 2 Terawattstunden Strom pro Jahr eingespart werden - vor allem im Winter. Damit würden gut 70 Prozent des bisherigen Heizstroms frei. Rechnerisch verblieben für die gleiche Wärmeerzeugung noch rund 0,8 Terawattstunden Strom. Die Grössenordnung zeigt: Der Ersatz bestehender Elektroheizungen kann die Winterstrombilanz spürbar entlasten, ohne auf ein neues Grosskraftwerk warten zu müssen.
Zürich macht daraus eine Pflicht: Im Kanton Zürich müssen bestehende ortsfeste elektrische Widerstandsheizungen zur Gebäudebeheizung grundsätzlich bis 2030 durch erneuerbare Anlagen ersetzt werden. Betroffen sind zentrale und dezentrale Elektroheizungen, darunter Widerstandsheizungen, Infrarotheizungen, Speicheröfen und elektrische Fussbodenheizungen. Auch zentrale, ausschliesslich direkt elektrisch beheizte Wassererwärmer in Wohnbauten fallen unter die Ersatzpflicht. Die kantonale Verordnung regelt Ausnahmen. Eigentümerinnen und Eigentümer sollten deshalb frühzeitig prüfen, welche Lösung technisch möglich ist und ob eine Ausnahme greift.
5. Sehr effiziente Technik wirkt heute, nicht erst in Jahrzehnten
Homey Haustechnik setzt unter anderem auf Luft/Wasser-Wärmepumpen der EUREKA-Serie von LAMBDA. Der Hersteller weist für die aktuellen Modelle bei 35 °C Vorlauftemperatur SCOP-Werte von rund 5,7 bis 6,1 aus. Für die EU13L nennt LAMBDA zudem einen SCOP-Spitzenwert von 6,10 aus dem Schweizer Testzentrum in Buchs (Stand Januar 2026). Solche Normwerte ersetzen keine individuelle Planung, zeigen aber, welches Effizienzniveau technisch verfügbar ist.
Noch wichtiger als der Prospektwert ist das Gesamtsystem. Eine hochwertige Wärmepumpe kann ihr Potenzial nur ausspielen, wenn Heizlast, Hydraulik, Speicher, Wärmeabgabe und Regelung zusammenpassen. Überdimensionierte Geräte, unnötig hohe Vorlauftemperaturen oder eine schlecht abgestimmte Anlage vernichten Effizienz. Deshalb beginnt Versorgungssicherheit im Heizungskeller mit einer sauberen Bestandsaufnahme und endet nicht beim Kauf eines Geräts.
6. Eine vernünftige Energiestrategie braucht beides - Produktion und Verbrauch
Die Stromversorgung lässt sich nicht mit einer einzelnen Technologie sichern. Die Schweiz braucht mehr erneuerbare Winterproduktion, Netzausbau, Speicher, flexible Tarife und Reserven. Sie braucht aber ebenso einen konsequenten Effizienzpfad. Denn jede Kilowattstunde, die an einem kalten Winterabend nicht verbraucht wird, muss weder produziert noch importiert, transportiert oder gespeichert werden.
Neue Atomkraftwerke als zentrale Antwort auf die heutige Winterstromfrage zu präsentieren, greift deshalb zu kurz. Es lenkt politische Aufmerksamkeit und Kapital auf eine Option mit langem Zeithorizont, während sofort verfügbare Lösungen zu wenig Beachtung finden. Sehr effiziente Wärmepumpen sind nicht die ganze Energiestrategie. Aber sie sind ein praktischer, messbarer Teil davon - Gebäude für Gebäude und Winter für Winter.
Versorgungssicherheit entsteht nicht nur durch neue Kraftwerke. Sie entsteht auch dadurch, dass vorhandener Strom möglichst viel Nutzen bringt. Wer heute eine alte Heizung ersetzt und dabei auf höchste Systemeffizienz achtet, entlastet Kosten, Netz und Winterversorgung lange bevor ein mögliches neues Kernkraftwerk Strom liefern könnte.
Mehr zur Planung effizienter Wärmepumpensysteme: homey-haustechnik.ch