Gasversorgung im Winter 2026/27

Aktualisiert: 23. Sept.
Wie sicher ist die Schweiz – und was bedeutet das für Heizkosten?

Für die Gasversorgung im Winter 2026/27 sind die deutlich tiefer gefüllten europäischen Gasspeicher relevant. Eine akute Gasmangellage in der Schweiz ist derzeit zwar nicht zu erwarten, doch Preisrisiken und die Abhängigkeit vom Ausland bleiben wichtige Faktoren.
1. Europäische Gasspeicher deutlich unter dem langjährigen Niveau
Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom beurteilt die Versorgungssicherheit der Schweiz aktuell als gewährleistet und das Risiko eines physischen Versorgungsengpasses als gering.
Ein Unsicherheitsfaktor sind jedoch die europäischen Gasspeicher. Ende Juli 2026 waren die Speicher in Nordwesteuropa lediglich zu rund 44 Prozent gefüllt. Im Durchschnitt der vergangenen acht Jahre lag der Füllstand zu diesem Zeitpunkt bei rund 68 Prozent.
Für den kommenden Winter bedeutet dies nicht automatisch, dass Gas knapp wird. Ein kalter Winter, zusätzliche Lieferausfälle oder geopolitische Ereignisse könnten die Situation jedoch verschärfen – und insbesondere zu deutlichen Preisschwankungen führen.
2. Die Schweiz ist beim Erdgas vollständig vom Ausland abhängig
Die Schweiz verfügt weder über eigene Erdgasvorkommen noch über grössere inländische Gasspeicher. Der Schweizer Gasbedarf wird deshalb zu 100 Prozent durch Importe gedeckt.
Das Gas wird hauptsächlich auf den Märkten der umliegenden EU-Länder beschafft. Damit ist die Schweiz unmittelbar von der europäischen Versorgungssituation und der Entwicklung der internationalen Gaspreise abhängig.
Zur Absicherung müssen die Schweizer Regionalnetzbetreiber Gasreserven in ausländischen Speichern halten. Vorgeschrieben sind mindestens 15 Prozent des durchschnittlichen Schweizer Jahresverbrauchs.
Eine physische Gasknappheit ist damit aktuell nicht das wahrscheinlichste Szenario. Das grössere Risiko für Hauseigentümer liegt derzeit bei der Preisentwicklung.
3. Was bedeutet das im Vergleich zu einer Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe ist ebenfalls von Energiepreisen abhängig. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in ihrer Effizienz.
Eine gut geplante Luft/Wasser-Wärmepumpe kann über das gesamte Jahr betrachtet aus einer Kilowattstunde Strom rund vier bis viereinhalb Kilowattstunden Wärme bereitstellen.
Bei von uns geplanten und entsprechend geeigneten Lambda-Anlagen erreichen wir in der Praxis Jahresarbeitszahlen (JAZ) von 4,0 bis 4,5. Das reduziert die Energiemenge, die für die Beheizung eines Gebäudes eingekauft werden muss, erheblich.
4. Beispielrechnung: 20'000 kWh Gasverbrauch pro Jahr
Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit einem bisherigen Gasverbrauch von 20'000 kWh pro Jahr. Bei einem angenommenen Jahresnutzungsgrad der Gasheizung von 95 Prozent entspricht dies rund 19'000 kWh nutzbarer Wärme pro Jahr.
JAZ 4,0
19'000 kWh ÷ 4,0 = 4'750 kWh Strom
JAZ 4,5
19'000 kWh ÷ 4,5 = ca. 4'220 kWh Strom
Für die Beispielrechnung verwenden wir den Schweizer Median-Strompreis 2026 von 27,7 Rp./kWh und einen beispielhaften Gaspreis von 11,79 Rp./kWh.
Energiekosten im Vergleich
Heizsystem | Jahresenergie | Energiekosten |
Gasheizung | 20'000 kWh Gas | ca. CHF 2'358 |
Wärmepumpe JAZ 4,0 | 4'750 kWh Strom | ca. CHF 1'316 |
Wärmepumpe JAZ 4,5 | 4'220 kWh Strom | ca. CHF 1'170 |
*Beispielrechnung. Die tatsächlichen Tarife unterscheiden sich je nach Gemeinde, Energieversorger und individuellem Tarif.
Die mögliche Einsparung bei den reinen Energiekosten liegt in diesem Beispiel somit bei rund CHF 1'040 bis CHF 1'190 pro Jahr – bereits bei den heutigen angenommenen Preisen. Steigt der Gaspreis, vergrössert sich die Differenz entsprechend.
5. Was passiert bei steigenden Gaspreisen?
Bei einem Gaspreisanstieg von beispielsweise 20 Prozent würden die jährlichen Gaskosten in unserem Beispiel auf rund CHF 2'830 steigen. Bei einem Anstieg um 40 Prozent wären es bereits rund CHF 3'300.
Die Wärmepumpe ist zwar ebenfalls nicht unabhängig von der Entwicklung der Strompreise. Aufgrund ihrer hohen Effizienz muss jedoch wesentlich weniger elektrische Energie eingekauft werden, als bei einer Gasheizung Brennstoff benötigt wird.
Eine Wärmepumpe macht ein Gebäude also nicht unabhängig vom Energiemarkt. Sie reduziert jedoch die Menge an eingekaufter Energie für die Wärmeerzeugung erheblich.
6. Ist die Gasversorgung im Winter 2026/27 gefährdet?
Nach heutigem Stand besteht kein Grund zur Annahme, dass Schweizer Haushalte im kommenden Winter grundsätzlich nicht mehr mit Gas versorgt werden können. Die ElCom schätzt das Risiko eines physischen Versorgungsengpasses aktuell als gering ein.
Gleichzeitig sind die europäischen Speicherstände vergleichsweise tief und die Schweiz bleibt beim Erdgas vollständig vom Ausland abhängig. Die Preisentwicklung ist deshalb schwer vorhersehbar und stark von Wetter, Weltmarkt und geopolitischen Entwicklungen abhängig.
7. Fazit
Die europäische Gasversorgung ist für den Winter 2026/27 derzeit grundsätzlich gewährleistet – komfortabel ist die Ausgangslage jedoch nicht. Vor allem die niedrigen Speicherstände und die hohe Preisvolatilität bleiben Unsicherheitsfaktoren.
Eine moderne und richtig dimensionierte Wärmepumpe kann mit einer Jahresarbeitszahl von 4,0 bis 4,5 einen erheblichen Effizienzvorteil gegenüber einer Gasheizung bieten.
Wer heute über den Ersatz seiner Gasheizung nachdenkt, sollte deshalb nicht nur die Investitionskosten vergleichen, sondern die gesamten Energie- und Betriebskosten über die kommenden Jahre betrachten.
Kostenlose Impulsberatung
Lassen Sie von uns eine kostenlose Impulsberatung durchführen. Wir zeigen Ihnen detailliert auf, welche Heizsysteme für Ihr Gebäude infrage kommen, mit welchen Investitions- und Betriebskosten zu rechnen ist und welche Förderbeiträge Sie erhalten können.
So erhalten Sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage und können die verschiedenen Heizsysteme auch hinsichtlich ihrer langfristigen Wirtschaftlichkeit vergleichen.
Stand: 12. August 2026. Grundlagen: ElCom, Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, Schweizerische Eidgenossenschaft, ElCom-Strompreise 2026 und St.Galler Stadtwerke (Gas-Beispieltarif).
Aktualisierung vom 23. September 2026
Seit der ursprünglichen Ausarbeitung dieses Artikels am 12. August 2026 hat sich die Lage auf dem europäischen Gasmarkt weiter angespannt. Die europäischen Gasspeicher liegen aktuell bei rund 67 Prozent und damit deutlich unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Gleichzeitig bleiben Lieferausfälle von Flüssiggas aus dem Nahen Osten sowie die Konkurrenz um verfügbare LNG-Mengen ein erheblicher Unsicherheitsfaktor.
Für die Schweiz bedeutet dies weiterhin nicht automatisch eine physische Gasmangellage. Aufgrund der vollständigen Importabhängigkeit können sich die Entwicklungen am europäischen Markt jedoch rasch auf Beschaffungskosten und Gaspreise auswirken. Gerade bei einem kalten Winter oder weiteren Lieferstörungen bleibt die Preisentwicklung schwer kalkulierbar.
Die Aussage dieses Artikels bleibt deshalb bestehen: Wer einen Heizungsersatz plant, sollte nicht nur die heutigen Energiepreise betrachten, sondern auch Effizienz, langfristige Betriebskosten und die Abhängigkeit vom jeweiligen Energieträger einbeziehen.
